 Challenge Roth: Schwimmen im Kanal Schwimmen bei der Challenge Roth ist sehr einfach. Wer dort bereits einmal am Start war, wird sich um die Auftaktdisziplin wenig Sorgen machen. Für Roth-Neulinge besprechen wir die wichtigsten Aspekte der Schwimmstrecke. Von Arne Dyck
Folgendes zeichnet die Schwimmstrecke aus: Sie befindet sich in einem schiffbaren Kanal, das Ufer ist stets nur ein gutes Dutzend Kraulzüge entfernt, ebenso die Zuschauer. Es gibt zwei Wendepunkte mit langen Geraden dazwischen und jede Menge Helfer in Kajaks. Das sind die Rahmenbedingungen. StartAnders als bei Langdistanzrennen unter dem Ironman-Label gibt es in Roth keinen Massenstart. Stattdessen wird ein so genannter Wellenstart praktiziert, der jeweils Pulks von wenigen hundert Teilnehmern gleichzeitig auf die Strecke schickt. Der sonst üblichen Keilerei gallischen Ausmaßes kann man also leicht aus dem Weg gehen. Das gilt um so mehr, als der Start nicht vom Ufer aus erfolgt, sondern mitten im Kanal. Links oder rechts?Ist man nach Böllerschuss und Hochschnellen der Startleine glücklich gestartet, orientiert man sich als guter Schwimmer eher auf die linke Seite der Strecke, die links durch Leinen, Bojen und allgegenwärtige Kajaks und rechts durch das Ufer begrenzt ist. Dies weniger wegen günstiger Strömungen, da diese nicht existieren (durch die geschlossenen Schleusen ist der Kanal ruhig wie ein See), sondern weil sich auf der ufernahen rechten Seite gerne die schlechteren Schwimmer aus früheren Startgruppen tummeln, auf die man dann aufschwimmt. DraftenNach ein paar hundert Metern wird man vielleicht nach einem günstigen Vordermann oder einer günstigen Vorderfrau Ausschau halten, um im Wasserschatten etwas Körner zu sparen. Das ist im Kanal jedoch schwierig: Die Sichtweite beträgt kaum mehr als zwei Armlängen. Entweder krabbelt man seinen Vordermann ständig an den Füßen, was dieser früher oder später irgendwie unterbinden wird, oder er entwischt nach vorne oder zur Seite. Dazwischen ist nur ein schmaler Grat, der viel Konzentration und auch etwas Übung verlangt. Draften ist schwierig in Roth. OrientierungUm so leichter geht es mit der Orientierung. Bevorzugt sind Schwimmer, die nach rechts atmen, da sich dort das Ufer als Bezugspunkt befindet. Wer wie ich nur nach links atmet kommt aber auch zurecht. Man peilt dann einfach das andere, etwas weiter entfernte Ufer an. Bedenken sollte man noch, dass in Bewegungsrichtung vorne links die Sonne aufgeht und stark blenden kann. Erster WendepunktWenn man sich dem ersten Wendepunkt nähert, kann man sich auch sehr gut an der großen Brücke orientieren, die sich ganz nah an diesen Wendepunkt befindet. Dort angekommen wird es zwischenmenschlich etwas ruppig, wie das an Wendebojen eben so üblich ist. Danach ist der Weg wieder frei. Die lange GeradeFür mich war die nun folgende lange Gerade zur zweiten Wendemarke wegen ihrer Endlosigkeit stets eine besondere Herausforderung. Rund 2 Kilometer geht es geradeaus, was für Schwimmer wie mich etwa so weit ist wie eine Reise zum Saturn. Da die Orientierung keine Probleme macht und man intellektuell in diesem Rennabschnitt eher unterfordert ist, machen sich innere Vorgänge um so stärker bemerkbar. Endlich hat man einmal Zeit, genau zu verfolgen, wie der Kragen des Neos sich schön langsam durch den Nackenspeck sägt. Hier ist Durchhalten angesagt!
Aufgelockert wird diese endlose Gerade durch das Passieren der Wechselzone, die man akustisch deutlich wahrnimmt. Direkt danach schwimmt man unter der zweiten Brücke hindurch – ein ccoles Gefühl. Denn hier angekommen hat man es fast geschafft. Noch einmal entfernt man sich vom Epizentrum dieses Morgens, die Arme sind lahm und die kleinen Wellen scheinen etwas höher zu werden. Achtet darauf, möglichst links zu schwimmen, da es gleich links herum um die zweite Boje geht. Der Weg zum Ausstieg ist Formsache. SchwimmausstiegAm Schwimmausstieg stehen klitschnasse Helfer bis zur Hüfte im Wasser und greifen Dir beim Aufstehen unter die Arme. Wer je in Roth gestartet ist, kehrt als Fan dieser Helfer nach Hause zurück. Denn der Helferjob im Morgengrauen im kalten Wasser ist wirklich Knochenarbeit. Unsere Dankbarkeit ist um so größer, als dass diese Unterstützung gar nicht wirklich notwendig wäre – die Triathleten können auch alleine aus dem Wasser krabbeln. Sich für eine kleine Hilfestellung so etwas anzutun, das gibt es nicht mehr oft in unserer Gesellschaft. Rufe ein "Dankeschön" in das schwankende Gesicht jenseits Deiner Schwimmbrille, so viel Zeit muss sein. Und dann ab ins Wechselzelt. Arne Dyck Weitere Artikel zum Thema Der längste Tag – erfolgreich finishen für Zuschauer Der Weg zur Startlinie Die Schwimmstrecke Die Wechselzone T1 Die Radstrecke Wie man am schnellsten über die Hügel kommt Die zweite Wechselzone Dritter Akt – der Marathon
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